• Die Themen Nachhaltigkeit und Verantwortung für Menschen und Ressourcen gewinnen als überfachliche Qualifikationen auch in der Berufsausbildung zunehmend an Bedeutung.

    BildDie Chemiebranche geht dabei mit vielen Initiativen und Projekten voran, um das Bewusstsein für diese Themen bereits in der Ausbildung zu verankern. Auf Initiative von Provadis, Hessens größtem privaten Aus- und Weiterbilder mit eigener Hochschule, wurde jetzt das Projekt ANLIN zur Entwicklung eines Qualifizierungskonzeptes in Kooperation mit Partnern aus der Bildung sowie der Verbände und Unternehmen der Chemischen Industrie gestartet.

    Wie Nachhaltigkeit in der Berufsbildung im Rahmen des Weltaktionsprogramms „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ integriert und konkret aufgegriffen werden kann, steht im Mittelpunkt eines von dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) geförderten, dreijährigen Projektes.

    Unter dem Namen ANLIN (Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie) hat Provadis – der Fachkräfte-Entwickler der Industrie zusammen mit Partnern ein erstes Modul eines Qualifizierungskonzeptes vorgestellt, mit dem Nachhaltigkeit in der Berufsbildung innerhalb des Modellprojektes in Frankfurt integriert werden soll. Dieses Konzept und die Meilensteinplanung wurden kürzlich dem regionalen Beirat vorgestellt, der das Vorhaben praxisorientiert begleitet und sich bei der Gelegenheit konstituierte. Mitglieder im regionalen Projektbeirat Hessen sind der Landesverband Hessen der Chemischen Industrie (VCI Hessen), der Arbeitgeberverband HessenChemie, die IG BCE Hessen-Thüringen, die IHK Frankfurt am Main, die Paul-Ehrlich-Schule Frankfurt am Main, sowie die Unternehmen Clariant SE, G. E. Habich’s Söhne und Sanofi-Aventis Deutschland GmbH.

    Nachhaltigkeit in der Berufsausbildung spielt nicht erst seit Kurzem eine Rolle für Provadis. So ist der Fachkräfte-Entwickler aus Frankfurt-Höchst beispielsweise bereits als Bildungsträger nach dem Nachhaltigkeitssiegel Q3SQ und der Initiative TfS zertifiziert und hat im Rahmen der Nachhaltigkeitsinitiative der Chemiebranche (Chemie hoch drei) einen Nachhaltigkeitspfad eingerichtet, in dem sich die Auszubildenden, Studierenden und Mitarbeiter darüber informieren können, in welchen Facetten sich Provadis engagiert. „Das Thema liegt uns aber nicht nur als Bildungsunternehmen nahe. Insbesondere für unsere Kunden spielt es zunehmend eine Rolle. In zwei Modellprojekten, die wir im Rahmen einer Initiative der Bundesregierung begleiten durften, sammelten wir erste Erfahrungen dazu, wie Nachhaltigkeit bei Auszubildenden als den Fachkräften von morgen aufgegriffen werden kann. Hier setzen wir mit ANLIN an und erweitern unsere Erfahrungen. Ziel ist die Implementierung des Themas und ein Modell, aus dem auch andere Unternehmen lernen und es nutzen können“, erläutert Dr. Karsten Rudolf, Bereichsleiter Bildungs- und Forschungsprojekte bei Provadis, den Entstehungshintergrund des Projektes.

    Wichtig für den Erfolg des Qualifizierungskonzepts ist die Verzahnung mit den betrieblichen Lernorten. „Es geht darum, Auszubildende so zu qualifizieren und zu motivieren, dass sie sich aktiv an der nachhaltigen Entwicklung ihrer Lernorte beteiligen“, erläutert Marny Schröder, die ANLIN bei Provadis koordiniert. Um den Block Nachhaltigkeit in der dualen Berufsbildung zu verankern, müssen zunächst die Ausbildungskräfte geschult werden. Die ersten Basismodule stehen als Workshops im Dezember 2016 auf dem Programm. Die Auszubildenden werden dann Anfang 2017 mit den ersten speziellen Lernmodulen zur Nachhaltigkeit in Berührung kommen.

    Dabei geht die Chemie- und Pharmaindustrie beim Thema Nachhaltigkeit in der Berufsausbildung voran. Die erste Testgruppe stellen 16 Auszubildende des Produktionsberufes Chemikant des Spezialchemieunternehmens Clariant, die von Provadis ausgebildet werden. „Wir wollen unsere Mitarbeiter möglichst frühzeitig für das Thema Nachhaltigkeit beziehungsweise Sustainability sensibilisieren, denn das entspricht der Strategie unseres Unternehmens“, sagt Dr. Kai Wiesinger von Clariant. Was die Auszubildenden in der Berufsschule theoretisch lernen, sollen sie parallel praktisch im Ausbildungsbetrieb umsetzen. „Wir wollen Theorie und Praxis zu allen Aspekten von Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility zusammenführen“, führt Roger Jung von Sanofi ergänzend die Erwartung seines Unternehmens dazu aus. Martin Kersten, geschäftsführender Gesellschafter von Habich’s Söhne, Vertreter eines mittelständischen Unternehmens in Nordhessen, hofft „dass die Auszubildenden von heute sich in die Gestaltung der Ausbildung von morgen mit einbringen und somit in Ihre Zukunft der Arbeitswelt investieren.“

    Neben diesen Praxispartnern aus Unternehmen sind die Chemieverbände Hessen und die IG BCE aus der Initiative „Chemie hoch drei“ mit dabei. Daniel Schubert, Referent Nachhaltigkeit bei der HessenChemie, erläutert: „In der Branche stärken wir Nachhaltigkeit als Leitbild. Dabei helfen uns die Erkenntnisse, die wir mit diesem Modellprojekt gewinnen enorm weiter.“ Osman Ulusoy, stellv. Vorsitzender IG BCE Hessen-Thüringen merkt dazu an: „Die IG BCE fühlt sich allen drei Dimensionen (Soziales, Ökologie, Ökonomie) von Nachhaltigkeit verpflichtet. Alle Initiativen, die wie ANLIN, diese Arbeit voranbringen, unterstützen wir gerne.“ Und Heike Blaum, Referentin Bildungspolitik des VCI Hessen, sieht ANLIN als „konkretes Angebot an die zukünftigen Fachkräfte, indem sie lernen, den abstrakten Begriff Nachhaltigkeit in der Berufsausbildung auf die eigene Lebenswelt zu übertragen und in betriebliches Handeln umzusetzen.“

    Die Erfahrungen aus der Chemiebranche möchte auch die IHK Frankfurt nutzen, um nachhaltiges Wirtschaften in die Aus- und Weiterbildung der anderen Branchen zu integrieren. „Wir möchten die Azubis befähigen, nicht nur die ökonomische Dimension des eigenen Handelns im Betrieb zu sehen, sondern auch die ökologische und soziale“, umreißt Marlene Haas, Vizepräsidentin der IHK Frankfurt, die verschiedenen Aspekte von Nachhaltigkeit in der Berufsausbildung.

    Der Start ist gemacht, nun wollen die im Beirat versammelten Partner das Projekt in Frankfurt und Hessen voranbringen.

    Das Frankfurter Vorhaben ist übrigens Teil eines Gesamtprojektes ANLIN, in dem Provadis mit dem Qualifizierungsförderwerk Chemie (QFC) in Halle und dem Institut für nachhaltige

    Berufsbildung & Management-Services GmbH in Hannover zusammenarbeitet. Neben der Modellregion Hessen/Frankfurt, die unter der Regie von Provadis läuft, gibt es dabei eine weitere Modellregion in Sachsen-Anhalt/Wittenberg, die vom Bildungszentrum für Beruf und Wirtschaft gestaltet wird.

    Mehr Informationen zu dem Thema finden sich unter:

    https://www.lebenslangeslernen.net/nachhaltigkeit-in-der-berufsausbildung
    https://www.provadis.de/top-themen/bildungsprojekte/nachhaltigkeit-in-der-berufsausbildung/

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    Nachhaltigkeit in der Berufsausbildung etablieren

    veröffentlicht am 23. Januar 2017 in der Rubrik Presse - News
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